JUULIYA: To be continued..

Allgemein

Mein „Comeback“ ist schon länger geplant, weiter geschrieben habe ich immer. Nur nicht veröffentlicht. Warum, kann ich selbst nicht so genau sagen. Aber ein Glück ist die Zeit nun vorbei und ich darf euch den Relaunch von JUULIYA.de präsentieren. Dort geht es ab sofort weiter und ich würde mich freuen, wenn ihr mich dort hin und wieder besucht.

Ich danke jedem Leser dieses Blogs für die Aufmerksamkeit, Zeit und das Interesse an meinen Gedanken. Das bedeutet mir sehr viel. ❤

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Nicht-Alltag und Kompromisse

Allgemein

Zum Einjährigen.

Meine Abreise nach Istanbul und meine Rückkehr nach Bielefeld liegen fast genau ein Jahr auseinander. Ganze 364 Tage. Und das veranlasst mich unterbewusst dazu, meine Zeit in Istanbul intensiver zu vermissen als sowieso schon.

Ich mag Bielefeld aufrichtig. Es ist schön, grün, nicht zu laut, zu hektisch, zu groß. Überschaubar. Trotzdem irgendwie lebhaft. Auf eine ostwestfälisch-zurückhaltende Weise. Meiner Meinung nach auch groß genug, um in einer angenehme Anonymität abzutauchen, aber klein genug, um guten Freunden häufiger mal einfach so über den Weg zu laufen. Wie eigentlich schon zu erwarten, kommt jetzt das Aber. Ich bin immer noch verliebt. In Istanbul. Und diese Liebe tut sich schwer mit Kompromissen.

Zu Anfang hatte ich das Gefühl, dass ich den Abschied besser wegstecke als erwartet. Aber nachdem ich meinen Sommer mit Arbeiten und Reisen nun hinter mich gebracht habe und jetzt in so etwas wie Alltag zurückkehre, vermisse ich meinen Nicht-Alltag in Istanbul. Ich bin fast nie zwei Mal hintereinander um die gleiche Uhrzeit aufgestanden, habe es nie geschafft, zu den gleichen Zeiten zu Essen. Mein Leben war ein einziges Chaos von Außen betrachtet, und ich habe es geliebt. Ich habe Pläne über den Haufen schmeißen müssen und gemerkt, dass eben jenes viele neue Möglichkeiten für mich offen hält. Und so habe ich dann auch irgendwann das aufwendige Planen sein lassen. Und genau dadurch fühle ich mich freier denn je. Natürlich, meine To Do-Listen kann ich nicht sein lassen, denn daran hängt quasi meine ganze Disziplin, aber wenn etwas nicht klappt, kann ich gelassen reagieren. Und manchmal – und das passiert nicht selten – sehe ich im Rückspiegel, dass es so auch gut ist.

Hier in Bielefeld habe ich aber nicht Nicht-Alltag. Ich habe jeden Tag To Do-Listen und muss auch wieder anfangen, langfristig zu Planen und mir Ziele zu setzen. Das macht mir Angst. Keine panische Angst, aber eine solche, die einem das Herz schwer wie Blei werden lässt und einen irgendwie runter drückt. Und dann denke ich an Istanbul – die Stadt, die Leute, das Wetter, den Bosporus, die Sonnenuntergänge. Mein Leben. Herzklopfen. Erinnerungen. Melancholie.

Keine Stadt ist wie Istanbul. Selbst ist diese Stadt ein Kompromiss zwischen Ost und West, zwischen Asien und Europa, und genau deshalb vermisse ich Istanbul. Und das jeden Tag, den ich nicht dort bin. Ich fühle mich hier in Bielefeld zu Hause. Aber nicht annähernd so, wie ich es in Istanbul tat. Letztendlich mache ich mit dieser Liebe überall außerhalb der Stadt selbst Kompromisse. Aber die beste Medizin habe ich bereits gefunden: Der Kontakt zu meinen Istanbul-Liebsten. Gemeinsam leidet man eben doch weniger.

Berühmt, berüchtigt – Ölüdeniz

Reisen

Meine letzte Woche in der Uni habe ich eigentlich gar nicht so viel in der Uni verbracht. Ich war bei Current Economic Issues anwesend und bei Macroeconomics so etwa die Hälfte der Zeit. Das war es dann auch schon, da der allerallerallercoolste Trip bevorstand: Fethiye – Ölüdeniz, zum zweiten Mal.

Leute, die bisher nur wenig Kontakt mit der Türkei hatten, können trotzdem schonmal was davon gehört haben: In Facebook-Videos oft als „magical place“ beschrieben und gezeigt, oder als Foto in Reisekatalogen, hat Ölüdeniz einen der tollsten Strände, die ich je gesehen habe – die Blaue Lagune. Zudem ist der Ort bekannt für Paragliding von seinen 2000m+ hohen Bergen. Ölüdeniz heißt übersetzt übrigens Totes Meer, da es in der Blauen Lagune in der Regel keinen Wellengang gibt.

One Way Ticket, Nummer Zwei

Istanbul

Meine Zeit in Istanbul ist vorbei. Letzten Freitag um 10.40 startete mein Flieger in Richtung Düsseldorf. Hinter mir lagen zwei oder drei Tage voller Abschiede, mein Leben in einem 33kg-Koffer, eine durchfeierte Nacht, eine tränenreiche Taxifahrt. Auf meinem Sitz dann angeschnallt zur Startbahn rollend dann unweigerlich Recap. Allein der Gedanke an diesen Moment treibt mir wieder das Wasser in die Augen.

Die definitiv bisher intensivste Episode meines Lebens is jetzt passé und ich bin wirklich dankbar für meine Erfahrungen in Istanbul. Ich habe grandiose Menschen kennengelernt und ins Herz geschlossen und in Vildans Wohnung ein Zuhause gefunden. Das was ich fühle ist definitiv mehr als Melancholie, und das wird schätzungsweise auch noch einige Zeit so bleiben.

Trotzdem freue ich mich auch auf das, was kommt. Meine Zukunftspläne sind noch so unkonkret, aber ich habe viele Ideen, was ich gerne noch machen möchte. Istanbul hat mein Fernweh definitiv wachgerüttelt. Daher wird dieser Blog auch weiterhin bestehen bleiben. Erstmal muss noch einiges an Istanbul-Inhalt abgearbeitet werden, wenn ich nach sehr erlebnis- und emotionsreichen Wochen jetzt die Zeit dazu finde. (Ich hatte nach den Finals nämlich auch noch einmal Besuch <3.) Und ich freue mich natürlich auch auf das Wiedersehen mit meinen Lieblingsmenschen aus Istanbul. Eine Ausnahme ist da Charlotte, die mich am Freitag direkt am Airport in Düsseldorf abgeholt hat. Sonntag sind wir dann ziemlich spontan gemeinsam in den Urlaub nach Sylt gefahren. Ja, alle die uns kennengelernt haben, dürfen jetzt lachen. Strongest Erasmus-Couple ever, haha. Somit  freue ich mich gerade am meisten auf das Wiedersehen mit Istanbul, meinem Zuhause 5000km entfernt meiner Heimat. Hoşça kal, my dear.

Sechster September

Istanbul

Es ist der Samstagmorgen nach den Finals, und ich sitze in meinem Zimmer hier in Mecidiyeköy, Fenster offen, Sonnenschein, höre die Möwen gackern, Geräusche von der Straße und hin und wieder Menschen sprechen. Dazu ein frisch gebrühter Kaffee, europäische Art. Mein Studium hier ist nun offiziell vorbei und es beginnt die Zeit des Abschiedsnehmens von Istanbul. Ich habe ewig gehadert mit diesem Blogpost, einerseits, weil ich noch nicht Abschied nehmen wollte und andererseits, weil er sehr persönlich ist – für mich jedenfalls. Ich habe noch so viele Ideen für Blogposts, schon einige Entwürfe fertig, aber manchmal brauchen diese einfach den richtigen Zeitpunkt, um veröffentlicht zu werden. Und das fühlt sich jetzt gerade richtig an.

Ich schaute letztens durch die Fotos, die auf meinem iPhone gespeichert sind, da ich es für die bessere Alternative zum Lernen hielt. Bis ich irgendwann zu dem Foto vom 6. September 2015 kam – das Foto, das in Düsseldorf am Flughafen entstand. Dort, wo mein Abenteuer Istanbul begann, mit einigen Tränen in den Augen, aber auch ganz viel Vorfreude. Knapp ein Jahr in einer Stadt, die ich nie zuvor gesehen hatte, aber für ganz viel Chaos bekannt war. Ich hätte nie gedacht, dass ich solch eine Entscheidung treffen würde. Ein Glück, dass Istanbul so gut zu mir war und diese Entscheidung bisher eine der besten in meinem Leben ist. Eine, die mich von dem Menschen entfernt hat, die ich auf dem Foto vom letzten September war.

Istanbul hat mir viel beigebracht. Jetzt würde ich meine Zeit hier weniger ein Abenteuer nennen, sondern eher eine Lektion – und das meine ich ohne jede mögliche negative Konnotation. Ich habe gelernt, wie ich riesige Kreuzungen mit chaotischem Verkehr am schnellsten sicher überquere. Und wie ich mich am schnellsten durch große Menschenmengen bewege (Stichwort: Istiklal). Mit 10l-Wasserfässern kleine Flaschen (500ml) zu befüllen. Wie ich mit einer Caffettiera Kaffee koche. Und Tee mit einem Teekessel. Ich habe gelernt, mir keine Gedanken um meine Ernährung zu machen, sondern einfach zu genießen. Ich habe Tavla spielen gelernt. Ich habe einiges über Finanzkrisen gelernt, über die Weltwirtschaft und Ungerechtigkeit. Ich habe immer wieder gelernt, Abschied zu nehmen. Ich kann jetzt Verantwortung für mich selbst übernehmen. Sorgsam sein. Ich bin sehr viel gelassener geworden. Und kann kleine Krisen selbst überwinden. Ich habe ein wenig Smalltalken gelernt, dennoch ist da immer noch genug Luft nach oben. Ich habe gelernt, Dinge ernst zu nehmen – und andere ein wenig lockerer zu sehen. Ich habe gelernt, alleine zu sein. Ich weiß nun, was richtig gute Freundschaft bedeutet! Und dass diese manchmal schwieriger ist als jede andere Art der Beziehung. Aber vor allem habe ich in Istanbul eines gelernt: Ich bin okay, so wie ich bin.

Chaos in Izmir

Reisen

Vergangenes Wochenende bin ich mit Charlotte und Franzi nach Izmir geflogen. Schöne Stadt, ziemlich grün, und vor allem geordneter als Istanbul. Aber eben auch kleiner – und langweiliger. Wir hatten trotzdem unendlich viel Spaß, gutes Essen und einige Sonnenstunden, aber irgendwie hatten wir das Chaos-Paket gebucht. Alles lief schief. Oder ging kaputt. Im Nachhinein haben wir aber auch nur ein bisschen Geld verloren, dafür aber mindestens eine grandiose Story mehr zu Erzählen. Ich jedenfalls hatte eine schöne Zeit in einer schönen Stadt.

Studieren in der Türkei – ein Vergleich

Istanbul

Der Hauptgrund für meinen Istanbulaufenthalt ist natürlich mein Studium an der Istanbul Üniversitesi. Die Sache ist eben, dass ich darüber noch nicht besonders viele Worte darüber verloren habe. Anfangs bedeutete Uni mit allen Angelegenheiten nämlich nur eins: Stress. Und dann wurde es irgendwann normal. Bis ich jetzt realisieren muss, dass dieser Normalstatus nur noch 4 Wochen für mich gilt. Und er sich von meinem Alltag in Bielefeld in doch einigen Punkten unterscheidet.

Generell studiere ich recht ähnliche Fächer in beiden Städten: International Studies in Management in Bielefeld, und Business Administration in Istanbul. Beides würde ich kurz und knapp mit „BWL auf Englisch“ übersetzen. Stimmt so natürlich nicht hundertprozentig, aber so bekommt man wenigstens eine passende Vorstellung von dem, was ich überhaupt mache.

Bewegtes Bild

Istanbul

Midterm-Klausuren abgehakt. Auch wenn es dieses Mal nicht ganz so gut lief, bin ich ziemlich zufrieden. Ich hatte nur zwei Tage Stress während der Lernphase, was echt ein riesiger Fortschritt ist, wenn ich an die letzten beiden Klausurphasen denke. Aber das gute Wetter muss ja auch angemessen genossen werden und somit war ich einen Nachmittag auf dem Hauptcampus der Bilgi-Universität, in dessen Bibliothek meine Mitbewohnerin ein paar ihrer Fotografien ausgestellt hat. (Instagram: @______bleu) Und da es dort, am Ende des Goldenen Horns, so schön ist, habe ich dort noch einige Zeit in der Sonne verbracht, gelesen und einfach das Wetter genossen.

Ja, das ist nicht superspannend, ich weiß, aber ich habe über den Tag ein paar Videosequenzen aufgenommen, und das dann mit bisschen Musik hinterlegt und daraus ein ziemlich umprofessionelles Video zusammengeschnitten. Aber es zeigt Istanbul und vor allem auch irgendwie mein Leben hier. Deshalb könnt ihr es euch jetzt nachfolgend anschauen:

Vor weniger Zeit sprach ich mit meinen Eltern über meine Vorstellungen für die Zukunft und ich informierte sie über ein paar mögliche Musterstudiengänge. Einer davon, zur Zeit ziemlich attraktiv für mich, in Berlin. Meine Mutter reagierte schockiert. Ich fragte sie, was sie an Berlin stören würde. Ihre Antwort:

„Berlin, das ist einfach zu groß.“

Sekundenschaf

Allgemein

Es gab Steine – Kappadokien

Reisen

Mitte März in Istanbul, 20.00 Uhr, Taşkışla Caddesi am Gezi Park, Taksim. Ein kühler, regnerischer Abend, an dem wir noch einige Zeit auf verschiedenste Dinge warten sollten, um dann gegen 23.00 Uhr endlich die Stadt zu verlassen. Unser Ziel war Zentralanatolien, um genauer zu sein: Kappadokien. Und wie sich das für Trips gehört, wird die erste Nacht im Bus verbracht, um sich morgens entspannt und gutgelaunt den ersten Aktivitäten zu widmen. Nicht. Völlig verschlafen wandelten wir Freitagmorgens aus dem Bus, wenigstens war es schön sonnig und auch schon ziemlich warm. Landschaft cool, unser Guide kann gut Englisch, wird schon okay, dachten wir. Bis wir realisiert hatten, dass wir oben sind. Und runter ins Tal müssen. 300 Treppenstufen, die in türkischer Manier natürlich auch alle unterschiedliche Höhen haben. Und später dann auch wieder hoch. Dennoch habe ich es genossen, in diesem Tal zu sitzen, etwas grün um mich herum, ein klarer Bach neben mir und einfach Ruhe. Der krasse Kontrast zu Istanbul, das ich 12 Stunden vorher verlassen hatte.