Übergangsweise WordPress

Allgemein

Da der Server, auf dem mein Blog lag, Ende Februar ohne jegliche Vorwarnung vom Netz genommen wurde, und ebenso der zweite Server, auf denen die Backups lagen, nutze ich zeitweilig nun WordPress.com als Plattform zum Bloggen. Es tut mir leid, dass die alten Beiträge nicht mehr rekonstruierbar sind und bin vom Verhalten des Webhosters sehr enttäuscht. Das alles war auch der Grund für die Weiterleitung nach Instagram in den letzten Wochen. Ich hoffe, ich habe niemanden zu sehr irritiert und ihr freut euch auf die Beiträge, unter anderem über Kapadokya (Kappadokien). Und: das neue Theme lädt zum Kommentieren ein – wenn ihr das tut, würde ich mich natürlich sehr freuen. Bis dann!

 

Endlich angekommen

Istanbul

Istanbul ist sonnig, aber kalt, das türkische Essen immer noch zu fettig und die Straßen immer noch dreckig – und manchmal auch abschnittweise nass, obwohl es tagelang nicht geregnet hat – und ich bin einfach nur unfassbar glücklich. Und es kam schleichend, aber ist offensichtlicher denn je: Ich möchte hier nicht weg. Ich fühle mich das erste Mal an einem Ort auf diesem Planeten so wohl, dass ich ihn ab sofort Zuhause nenne.

Ich kann es mir einfach nicht mehr vorstellen, nach Bielefeld zurückzukehren. Ich kann hier auch Sonntags einkaufen, gegenüber in den Supermarkt springen, wenn mir das Wasser ausgeht, kurz ins Fitnessstudio, mich trotz drohendem monatlichen Bankrott immer noch mit Freunden zum Essen verabreden, oder noch besser: Kahvalti, also türkischem Frühstück. Abends reicht dann auch ein Cig Köfte-Dürüm. Oder ich gehe einfach spontan abends aus. Weil ich es einfach machen kann. Ab 12 Uhr fährt keine Metro mehr, aber interessiert mich nicht, Taxi ist unfassbar günstig. 10 Lira, Taksim, Mecidiyeköy. Ich kann einfach neue Ecken der Stadt entdecken, oder für ein paar Cents zu den Prinzeninseln schippern. Oder den Bosporus auf und ab. Dabei Cay. Oder Kahve. Oder ich schau mir den Sonnenuntergang an. Am schönsten war das bisher in Üsküdar. Und vor allem muss ich noch ein wenig reisen: Izmir im Frühsommer. Nochmal nach Ölüdeniz. Vielleicht Bursa. Und sonst auch noch einiges, aber sicherlich nicht mehr dieses Jahr. Denn ich habe nur noch zwei Monate.

Bis eingeschlossen Dezember oder Januar konnte ich es mir nicht vorstellen, weitere Jahre in Istanbul zu verbringen. Mit jedem Tag, den ich hier verbringe, wünsche ich mir mehr, dass ich nochmal die Möglichkeit bekomme, für längere Zeit in Istanbul zu bleiben. Ich habe mich an alles hier gewöhnt – und trotz eigentlich geringerem Lebensstandard habe ich hier ein glückliches Leben. Deutschland wirkt für mich hier irgendwie weit entfernt, da ich zu keiner Zeit in Deutschland so zufrieden mit meiner Gesamtsituation war wie ich es hier bin.

Keine Angst: Ich muss und werde auch nach Deutschland zurückkehren, um mein Studium zu beenden, dann eventuell einen Master zu machen oder auch erste Erfahrungen im Arbeitsleben zu sammeln. Und ich bin auch sehr glücklich, die Leute wiederzusehen, die mir am Herzen liegen, aber ihr Leben in der Heimat haben. Und natürlich auch meinen Hund, nicht zu vergessen. Aber trotzdem ist Istanbul jetzt mein Zuhause. Ich bin endlich hier angekommen.

Keine Angst

Allgemein

Wie es sich anfühlt, wenn das deutsche Konsulat Terrorwarnungen für all die Plätze ausspricht, die dein alltägliches Leben bestimmen? Wenn man in Ankara mit einer Panne steht, und die App einen mit der Meldung eines Anschlages aufweckt? Wenn aus der Uni von mutmaßlichen Schießereien berichtet wird? Beschissen. Ja, ziemlich beschissen sogar. Man bekommt ein ziemlich beklemmendes Gefühl.

Nur die Sache ist die: Terror zielt genau darauf ab. Wir sollen Angst haben, beklemmt sein, bestimmte Dinge eben auch meiden. Unser Leben einschränken. Und das ist eine Sache, die ich nicht machen werde. Nicht in Zeiten, in der die AfD zweistellig Gewinne einfahren und Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden kann. (Übrigens ist es schon mehr als ironisch, dass er als Muslimhasser die einzigen Trump Towers auf europäischem Kontinent in Istanbul stehen hat. Aber Geld stinkt eben nicht – auch nicht das von Muslimen.) Ich werde trotzdem feiern gehen, Freunde treffen und Istanbul wieter erkunden. Aber nur weil ich das so tue, müssen es mir nicht alle tun. Es ist völlig legitim, besorgt zu sein. Nur dann sollte man sein Leben so gestalten, dass man keine Angst hat. Sonst dreht sich die Spirale nur weiter..

#enoughserioustalk